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Vorarlberg · Konkursverfahren

Obrist Powertrain und Obrist Technologies im Konkurs: 44 Gläubiger, Frist 2. November

Zwei Gesellschaften, zwei Verfahren, zwei Masseverwalter: Wer Geld von der Obrist-Gruppe bekommt, muss zuerst klären, welche Firma sein Schuldner ist. Hier stehen die Verfahrensdaten beider Konkurse nebeneinander, warum in Berichten auch von über 30 Millionen Euro die Rede ist, und was Lieferanten und Beschäftigte bis November tun können.

Ehemaliges Stickereigebäude an der Rheinstraße 26-27 in Lustenau mit orangefarbener Fassade und Rundbogenfenstern, davor Parkplatz und Rasen
Das Wichtigste

Zwei Konkurse, keine Sanierung, sofortige Schließung

Beide Gesellschaften haben den Antrag selbst gestellt. Anders als bei einem Sanierungsverfahren wird hier kein Fortbestand angestrebt: Das Vermögen wird verwertet und verteilt.

LG Feldkirch, 13 S 66/26z und 13 S 67/26x: Konkursverfahren eröffnet.

Das Landesgericht Feldkirch hat am 30. September 2026 auf Eigenantrag über das Vermögen der Obrist Powertrain GmbH (FN 422376t) und der Obrist Technologies GmbH (FN 370926f), beide Rheinstraße 26-27, 6890 Lustenau, je ein Konkursverfahren eröffnet. Forderungen sind in beiden Verfahren bis 2. November 2026 anzumelden. In beiden Anträgen heißt es laut AKV, eine Fortführung oder Sanierung sei aus heutiger Sicht nicht möglich; einer sofortigen Schließung wird zugestimmt.

Die Obrist-Gruppe mit Sitz in Lustenau ist vor allem durch den «HyperHybrid» bekannt geworden, einen seriellen Hybridantrieb mit eigens entwickeltem Verbrennungsmotor, der auch mit alternativen Kraftstoffen laufen kann. Entwickelt hat ihn die Obrist Powertrain GmbH. Die Obrist Technologies GmbH hält und verwaltet Patente und Schutzrechte, unter anderem zu klimaneutralen Kraftstoffen, zur CO₂-Abscheidung und zur Methanolerzeugung.

Für Gläubiger ist entscheidend: Es sind zwei getrennte Verfahren mit getrennter Masse, eigenem Aktenzeichen und eigenem Masseverwalter. Eine Forderung gegen die eine Gesellschaft nimmt am Verfahren der anderen nicht teil.

AngabeObrist PowertrainObrist Technologies
FirmenbuchFN 422376tFN 370926f
Aktenzeichen13 S 66/26z13 S 67/26x
MasseverwalterMMag. Dr. Tobias Gisinger, DornbirnDr. Gernot Klocker, Dornbirn
StellvertretungMag. Celina PlankelDr. Manuela Schipflinger Klocker
Gläubiger3410
Forderungenrund € 18,85 Mio.rund € 6,08 Mio.
Dienstnehmer9keine
Tagsatzung16.11.2026, 9.40 Uhr16.11.2026, 9.50 Uhr

Beide Tagsatzungen finden im Landesgericht Feldkirch statt, Verhandlungssaal 123 im ersten Stock. Gläubigerzahlen und Forderungen stammen aus den Anträgen, wie sie der AKV wiedergibt; Stellvertreter und Saal aus den Verfahrensdaten des KSV1870.

Zahlen

Rund 25 oder über 30 Millionen Euro?

In den Berichten kursieren zwei Größenordnungen. Beide lassen sich erklären, aber nur eine betrifft die Verfahren in Feldkirch.

Für die beiden österreichischen Gesellschaften nennt der AKV Gesamtforderungen von rund 18,85 Millionen Euro (Obrist Powertrain, 34 Gläubiger) und rund 6,08 Millionen Euro (Obrist Technologies, 10 Gläubiger). Zusammen sind das rund 24,93 Millionen Euro bei 44 Gläubigern. Das ist die Summe, um die es am Landesgericht Feldkirch geht.

Die höhere Zahl von über 30 Millionen Euro, die seit dem 28. September in Medienberichten steht, rechnet zusätzlich eine deutsche Gesellschaft der Gruppe mit ein. Deren Verfahren ist nicht Teil der beiden Konkurse in Feldkirch; weder AKV noch KSV1870 haben dazu Zahlen veröffentlicht, deshalb führen wir sie hier nicht an.

Was fehlt: Angaben zu den Aktiva, also dazu, was die Patente, Prototypen und die Betriebsausstattung bei einer Verwertung noch bringen könnten, haben die Verbände bisher nicht veröffentlicht. Wie hoch eine Quote ausfällt, ist deshalb offen. Erste Aufschlüsse gibt der Bericht der Masseverwalter in der Tagsatzung am 16. November.
Termine

Der Fahrplan beider Verfahren

Die Termine sind in beiden Konkursen gleich, nur die Uhrzeit der Tagsatzung unterscheidet sich um zehn Minuten.

Mi., 30. September 2026
Eröffnung beider Konkursverfahren am Landesgericht Feldkirch auf Eigenantrag. Ab jetzt handeln die Masseverwalter, nicht mehr die Geschäftsführung.
Mo., 2. November 2026
Ende der Anmeldefrist für Insolvenzforderungen, in beiden Verfahren.
Mo., 16. November 2026, 9.40 Uhr
Berichts- und Prüfungstagsatzung Obrist Powertrain GmbH (13 S 66/26z): Bericht des Masseverwalters und Prüfung der angemeldeten Forderungen.
Mo., 16. November 2026, 9.50 Uhr
Berichts- und Prüfungstagsatzung Obrist Technologies GmbH (13 S 67/26x).
bis 30. März 2027
Rechnerisches Ende der Sechsmonatsfrist für Anträge auf Insolvenz-Entgelt beim IEF, gerechnet ab der Eröffnung am 30. September 2026.
Das Edikt der Justiz zu den beiden Verfahren war am Vormittag des 30. September in der Insolvenzdatei noch nicht abrufbar; die Daten oben stammen aus den Veröffentlichungen von AKV und KSV1870. Maßgeblich ist das Edikt, sobald es kundgemacht ist. Wir ergänzen dann Anschrift der Masseverwalter und etwaige weitere Beschlüsse.
Gläubiger

Was Lieferanten und andere Gläubiger jetzt tun müssen

Die häufigste Falle bei Gruppeninsolvenzen: die Forderung beim falschen Verfahren anmelden.

Schritt 1
Schuldner auf der Rechnung prüfen
Steht auf Auftrag, Vertrag oder Rechnung die Obrist Powertrain GmbH oder die Obrist Technologies GmbH? Die Namen sind leicht zu verwechseln, zumal die heutige Obrist Technologies GmbH laut Firmenbuchdaten früher selbst «Obrist Powertrain GmbH» hieß (siehe unten). Maßgeblich ist die Firmenbuchnummer: FN 422376t oder FN 370926f.
Schritt 2
Bis 2. November beim richtigen Verfahren anmelden
Die Anmeldung geht an das Landesgericht Feldkirch, unter 13 S 66/26z (Powertrain) oder 13 S 67/26x (Technologies), mit dem Formular «Anmeldung einer Forderung im Insolvenzverfahren». Wer Forderungen gegen beide Gesellschaften hat, meldet zweimal an. AKV und KSV1870 nehmen Anmeldungen schon entgegen.
Schritt 3
Zu spät? Nur mit Kosten
Nach dem 2. November ist eine Anmeldung noch möglich, aber kostenpflichtig und nur bis längstens 14 Tage vor der Schlussrechnungstagsatzung. Diese ist noch nicht angesetzt.
Schritt 4
16. November: anerkannt oder bestritten?
In der Prüfungstagsatzung erklärt der Masseverwalter, welche Forderungen er anerkennt. Nur anerkannte oder festgestellte Forderungen nehmen an der Verteilung teil. Eine feste Quote wie bei einem Sanierungsplan gibt es im Konkurs nicht: Verteilt wird, was die Verwertung nach Abzug der Masseforderungen ergibt.

Ansprechpartner ist der Masseverwalter

Für Obrist Powertrain MMag. Dr. Tobias Gisinger, für Obrist Technologies Dr. Gernot Klocker, beide Rechtsanwälte in Dornbirn. Die Geschäftsführung kann über das Vermögen nicht mehr verfügen.

Verträge nicht vorschnell kündigen

Sechs Monate ab Eröffnung dürfen Vertragspartner Verträge nur aus wichtigen Gründen auflösen, wenn das eine Fortführung gefährden könnte. Die schlechte wirtschaftliche Lage oder ein Zahlungsverzug aus der Zeit vor der Eröffnung zählen nicht als wichtiger Grund. Da hier ohnehin geschlossen wird, klärt man offene Verträge am besten direkt mit dem Masseverwalter.
Beschäftigte

Neun Dienstnehmer bei Obrist Powertrain: Lohn und Insolvenz-Entgelt

Laut AKV waren bei der Obrist Powertrain GmbH zur Eröffnung neun Dienstnehmer beschäftigt, bei der Obrist Technologies GmbH niemand.

Schritt 1
Der Masseverwalter ist jetzt Arbeitgeber
Mit der Eröffnung übt der Masseverwalter die Rechte und Pflichten des Arbeitgebers aus (§ 25 IO). Das Arbeitsverhältnis endet nicht automatisch mit dem Konkurs.
Schritt 2
Schließung: ein Monat für Austritt oder Kündigung
Wird die Schließung des Unternehmens öffentlich bekannt gemacht, können Beschäftigte innerhalb eines Monats danach vorzeitig austreten; der Masseverwalter kann im selben Zeitraum mit gesetzlicher oder kollektivvertraglicher Frist kündigen. Wann die Schließung in der Insolvenzdatei steht, gibt den Ausschlag. Vor einem Austritt beraten lassen.
Schritt 3
Offene Ansprüche: Insolvenz-Entgelt beantragen
Löhne, Sonderzahlungen und Beendigungsansprüche werden bei Gericht angemeldet und beim Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF-Service GmbH) beantragt, grundsätzlich binnen sechs Monaten ab Eröffnung. Dem Antrag ist die gerichtliche Forderungsanmeldung beizulegen.

Hotline Insolvenzrecht der AK Vorarlberg.

Die Arbeiterkammer Vorarlberg berät unter 050 258 2100 oder 05522 306 2100, Montag bis Donnerstag 8 bis 12 und 13 bis 16 Uhr, Freitag 8 bis 12 Uhr. Für Mitglieder berechnet der Insolvenzschutzverband für ArbeitnehmerInnen (ISA) die Ansprüche, meldet sie an und stellt den Antrag beim IEF.
Hintergrund

Zwei Firmen, ein vertauschter Name und die genannten Ursachen

Die Firmenbuchdaten erklären, warum die beiden Gesellschaften so leicht zu verwechseln sind.

Obrist Technologies GmbH
FN 370926f, gegründet 2011, hieß früher selbst Obrist Powertrain GmbH. Konstruktion von Hybridmotoren, Verwaltung von Patenten und Schutzrechten.
23. September 2014
Die Antriebstechnik geht auf die 2014 gegründete Gesellschaft über, die früher «OP GmbH» hieß und heute Obrist Powertrain GmbH heißt.
Obrist Powertrain GmbH
FN 422376t, gegründet 2014 als OP GmbH. Entwicklung des HyperHybrid und weiterer Antriebslösungen für Automobil- und Transportbranche.
Letzte Bilanz
Beide Gesellschaften: 31. Dezember 2024 (KSV1870).

Als Gründe für die Insolvenz führen die Anträge laut AKV die über viele Jahre angefallenen hohen Entwicklungskosten an, den ausgebliebenen nachhaltigen Marktdurchbruch der Technologien und die Krise der europäischen Autoindustrie. Die Konzentration der Fahrzeughersteller auf reine Elektroautos habe sich zusätzlich negativ ausgewirkt. Zuletzt seien Verhandlungen mit ausländischen Investoren über ein Joint Venture gescheitert.

AKV und KSV1870 melden Konkurse nur über diese beiden Gesellschaften. Eine Suche nach «Obrist» in der Insolvenzdatei ergab am Vormittag des 30. September noch keinen Treffer, weder für die beiden Verfahren noch für andere Gesellschaften der Gruppe.

Vorarlberg

Nicht die einzige Pleite im Land: Vorarlberger Firmenverfahren der letzten Tage

Allein am 28. und 29. September hat das Landesgericht Feldkirch mehrere Firmeninsolvenzen kundgemacht oder verschärft. Stand der Insolvenzdatei am 30. September.

UnternehmenAktenzeichenWas passiert ist
Leopold Immobilien GmbH, Dornbirn14 S 46/26sSanierungsplan zurückgezogen, am 29.9. in Konkurs umgewandelt, Schließung angeordnet, Masse unzulänglich
LeoLu GmbH, Dornbirn14 S 53/26wKonkurs, Wirkung ab 29.9., Anmeldefrist 9.11.
STS Tourismus Betriebe GmbH, Bregenz13 S 60/26tKonkurs seit 12.9., Unternehmen bleibt geschlossen, am 28.9. Masseunzulänglichkeit
INNO-TEX GmbH, Hohenems14 S 44/26xKonkurs, Wirkung ab 29.9., Anmeldefrist 9.11.
Jovic Gastro KG, Bregenz13 Se 10/26iNicht eröffnet mangels Kostendeckung (28.9.)
Hamidi Gastronomie GmbH, Feldkirch13 Se 55/26gNichteröffnung mangels Kostendeckung seit 28.9. rechtskräftig

Drei der Fälle hängen zusammen: Im geänderten Sanierungsplan der Leopold Immobilien GmbH, kundgemacht am 25. September, sind die LeoLu GmbH und die STS Tourismus Betriebe GmbH als Tochtergesellschaften aufgeführt. Vier Tage später wurde der Plan zurückgezogen und das Verfahren in einen Konkurs umgewandelt. «Masseunzulänglichkeit» heißt, dass das Vermögen laut Anzeige des Masseverwalters nicht einmal für die laufenden Masseforderungen reicht.

Wird ein Verfahren mangels Kostendeckung nicht eröffnet, gibt es keinen Masseverwalter und keine Anmeldefrist; das Gericht stellt nur die Zahlungsunfähigkeit fest. Beschäftigte können Insolvenz-Entgelt trotzdem beantragen, binnen sechs Monaten ab Kenntnis des Beschlusses. Alle Fälle des Landes stehen in der Übersicht Insolvenzen in Vorarlberg, österreichweit unter Insolvenzen der letzten 7 Tage und Insolvenzen im September 2026.

Quellen

Woher diese Angaben stammen

Verfahrensdaten, Gläubiger, Forderungen, Beschäftigte und Ursachen der Obrist-Gesellschaften aus den Veröffentlichungen von AKV und KSV1870; die übrigen Vorarlberger Fälle aus den Edikten der Insolvenzdatei; die Rechtslage aus Justizministerium, IEF und Arbeiterkammer.

  1. AKV EUROPA, Presseinformation «Obrist Powertrain GmbH & Obrist Technologies GmbH», 30. September 2026 — akv.at
  2. KSV1870, Insolvenzfall Obrist Powertrain GmbH, Update 30. September 2026 — ksv.at
  3. KSV1870, Insolvenzfall Obrist Technologies GmbH, Update 30. September 2026 — ksv.at
  4. Insolvenzdatei der Justiz, Edikte des LG Feldkirch 14 S 46/26s, 14 S 53/26w, 13 S 60/26t, 14 S 44/26x, 13 Se 10/26i und 13 Se 55/26g, abgerufen am 30. September 2026 — edikte.justiz.gv.at
  5. Unternehmensserviceportal (BMJ), «Gläubigerinteressen im Insolvenzverfahren» — usp.gv.at
  6. IEF-Service GmbH, FAQ für Antragsteller — insolvenzentgelt.at
  7. Arbeiterkammer Vorarlberg, Insolvenzberatung — vbg.arbeiterkammer.at
  8. Insolvenzordnung, § 25 IO — jusline.at
Veröffentlicht am

Von der Redaktion Insolvenzen in Österreich

Wir werten täglich die in der Ediktsdatei der Justiz kundgemachten Firmeninsolvenzen aus, führen zu jedem Verfahren eine eigene Seite mit Gericht, Aktenzeichen und Verwalter und erklären, welche Fristen für Gläubiger und Beschäftigte laufen.

Quellen: Presseinformation des AKV EUROPA vom 30. September 2026, Insolvenzfälle des KSV1870 zu Obrist Powertrain und Obrist Technologies, die Insolvenzdatei der Justiz für die übrigen Vorarlberger Verfahren, das Unternehmensserviceportal des Bundes, die IEF-Service GmbH und die Arbeiterkammer Vorarlberg. Summen und Termine sind eigene Berechnungen auf Basis dieser Angaben. Foto: Asurnipal, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Ausschnitt). Keine Rechtsberatung: Verbindlich ist allein die amtliche Insolvenzdatei. Betreiber und Kontakt im Impressum.