Obrist Powertrain und Obrist Technologies im Konkurs: 44 Gläubiger, Frist 2. November
Zwei Gesellschaften, zwei Verfahren, zwei Masseverwalter: Wer Geld von der Obrist-Gruppe bekommt, muss zuerst klären, welche Firma sein Schuldner ist. Hier stehen die Verfahrensdaten beider Konkurse nebeneinander, warum in Berichten auch von über 30 Millionen Euro die Rede ist, und was Lieferanten und Beschäftigte bis November tun können.

Zwei Konkurse, keine Sanierung, sofortige Schließung
Beide Gesellschaften haben den Antrag selbst gestellt. Anders als bei einem Sanierungsverfahren wird hier kein Fortbestand angestrebt: Das Vermögen wird verwertet und verteilt.
LG Feldkirch, 13 S 66/26z und 13 S 67/26x: Konkursverfahren eröffnet.
Die Obrist-Gruppe mit Sitz in Lustenau ist vor allem durch den «HyperHybrid» bekannt geworden, einen seriellen Hybridantrieb mit eigens entwickeltem Verbrennungsmotor, der auch mit alternativen Kraftstoffen laufen kann. Entwickelt hat ihn die Obrist Powertrain GmbH. Die Obrist Technologies GmbH hält und verwaltet Patente und Schutzrechte, unter anderem zu klimaneutralen Kraftstoffen, zur CO₂-Abscheidung und zur Methanolerzeugung.
Für Gläubiger ist entscheidend: Es sind zwei getrennte Verfahren mit getrennter Masse, eigenem Aktenzeichen und eigenem Masseverwalter. Eine Forderung gegen die eine Gesellschaft nimmt am Verfahren der anderen nicht teil.
| Angabe | Obrist Powertrain | Obrist Technologies |
|---|---|---|
| Firmenbuch | FN 422376t | FN 370926f |
| Aktenzeichen | 13 S 66/26z | 13 S 67/26x |
| Masseverwalter | MMag. Dr. Tobias Gisinger, Dornbirn | Dr. Gernot Klocker, Dornbirn |
| Stellvertretung | Mag. Celina Plankel | Dr. Manuela Schipflinger Klocker |
| Gläubiger | 34 | 10 |
| Forderungen | rund € 18,85 Mio. | rund € 6,08 Mio. |
| Dienstnehmer | 9 | keine |
| Tagsatzung | 16.11.2026, 9.40 Uhr | 16.11.2026, 9.50 Uhr |
Beide Tagsatzungen finden im Landesgericht Feldkirch statt, Verhandlungssaal 123 im ersten Stock. Gläubigerzahlen und Forderungen stammen aus den Anträgen, wie sie der AKV wiedergibt; Stellvertreter und Saal aus den Verfahrensdaten des KSV1870.
Rund 25 oder über 30 Millionen Euro?
In den Berichten kursieren zwei Größenordnungen. Beide lassen sich erklären, aber nur eine betrifft die Verfahren in Feldkirch.
Für die beiden österreichischen Gesellschaften nennt der AKV Gesamtforderungen von rund 18,85 Millionen Euro (Obrist Powertrain, 34 Gläubiger) und rund 6,08 Millionen Euro (Obrist Technologies, 10 Gläubiger). Zusammen sind das rund 24,93 Millionen Euro bei 44 Gläubigern. Das ist die Summe, um die es am Landesgericht Feldkirch geht.
Die höhere Zahl von über 30 Millionen Euro, die seit dem 28. September in Medienberichten steht, rechnet zusätzlich eine deutsche Gesellschaft der Gruppe mit ein. Deren Verfahren ist nicht Teil der beiden Konkurse in Feldkirch; weder AKV noch KSV1870 haben dazu Zahlen veröffentlicht, deshalb führen wir sie hier nicht an.
Der Fahrplan beider Verfahren
Die Termine sind in beiden Konkursen gleich, nur die Uhrzeit der Tagsatzung unterscheidet sich um zehn Minuten.
Was Lieferanten und andere Gläubiger jetzt tun müssen
Die häufigste Falle bei Gruppeninsolvenzen: die Forderung beim falschen Verfahren anmelden.
Ansprechpartner ist der Masseverwalter
Verträge nicht vorschnell kündigen
Neun Dienstnehmer bei Obrist Powertrain: Lohn und Insolvenz-Entgelt
Laut AKV waren bei der Obrist Powertrain GmbH zur Eröffnung neun Dienstnehmer beschäftigt, bei der Obrist Technologies GmbH niemand.
Hotline Insolvenzrecht der AK Vorarlberg.
Zwei Firmen, ein vertauschter Name und die genannten Ursachen
Die Firmenbuchdaten erklären, warum die beiden Gesellschaften so leicht zu verwechseln sind.
Als Gründe für die Insolvenz führen die Anträge laut AKV die über viele Jahre angefallenen hohen Entwicklungskosten an, den ausgebliebenen nachhaltigen Marktdurchbruch der Technologien und die Krise der europäischen Autoindustrie. Die Konzentration der Fahrzeughersteller auf reine Elektroautos habe sich zusätzlich negativ ausgewirkt. Zuletzt seien Verhandlungen mit ausländischen Investoren über ein Joint Venture gescheitert.
AKV und KSV1870 melden Konkurse nur über diese beiden Gesellschaften. Eine Suche nach «Obrist» in der Insolvenzdatei ergab am Vormittag des 30. September noch keinen Treffer, weder für die beiden Verfahren noch für andere Gesellschaften der Gruppe.
Nicht die einzige Pleite im Land: Vorarlberger Firmenverfahren der letzten Tage
Allein am 28. und 29. September hat das Landesgericht Feldkirch mehrere Firmeninsolvenzen kundgemacht oder verschärft. Stand der Insolvenzdatei am 30. September.
| Unternehmen | Aktenzeichen | Was passiert ist |
|---|---|---|
| Leopold Immobilien GmbH, Dornbirn | 14 S 46/26s | Sanierungsplan zurückgezogen, am 29.9. in Konkurs umgewandelt, Schließung angeordnet, Masse unzulänglich |
| LeoLu GmbH, Dornbirn | 14 S 53/26w | Konkurs, Wirkung ab 29.9., Anmeldefrist 9.11. |
| STS Tourismus Betriebe GmbH, Bregenz | 13 S 60/26t | Konkurs seit 12.9., Unternehmen bleibt geschlossen, am 28.9. Masseunzulänglichkeit |
| INNO-TEX GmbH, Hohenems | 14 S 44/26x | Konkurs, Wirkung ab 29.9., Anmeldefrist 9.11. |
| Jovic Gastro KG, Bregenz | 13 Se 10/26i | Nicht eröffnet mangels Kostendeckung (28.9.) |
| Hamidi Gastronomie GmbH, Feldkirch | 13 Se 55/26g | Nichteröffnung mangels Kostendeckung seit 28.9. rechtskräftig |
Drei der Fälle hängen zusammen: Im geänderten Sanierungsplan der Leopold Immobilien GmbH, kundgemacht am 25. September, sind die LeoLu GmbH und die STS Tourismus Betriebe GmbH als Tochtergesellschaften aufgeführt. Vier Tage später wurde der Plan zurückgezogen und das Verfahren in einen Konkurs umgewandelt. «Masseunzulänglichkeit» heißt, dass das Vermögen laut Anzeige des Masseverwalters nicht einmal für die laufenden Masseforderungen reicht.
Wird ein Verfahren mangels Kostendeckung nicht eröffnet, gibt es keinen Masseverwalter und keine Anmeldefrist; das Gericht stellt nur die Zahlungsunfähigkeit fest. Beschäftigte können Insolvenz-Entgelt trotzdem beantragen, binnen sechs Monaten ab Kenntnis des Beschlusses. Alle Fälle des Landes stehen in der Übersicht Insolvenzen in Vorarlberg, österreichweit unter Insolvenzen der letzten 7 Tage und Insolvenzen im September 2026.
Woher diese Angaben stammen
Verfahrensdaten, Gläubiger, Forderungen, Beschäftigte und Ursachen der Obrist-Gesellschaften aus den Veröffentlichungen von AKV und KSV1870; die übrigen Vorarlberger Fälle aus den Edikten der Insolvenzdatei; die Rechtslage aus Justizministerium, IEF und Arbeiterkammer.
- AKV EUROPA, Presseinformation «Obrist Powertrain GmbH & Obrist Technologies GmbH», 30. September 2026 — akv.at
- KSV1870, Insolvenzfall Obrist Powertrain GmbH, Update 30. September 2026 — ksv.at
- KSV1870, Insolvenzfall Obrist Technologies GmbH, Update 30. September 2026 — ksv.at
- Insolvenzdatei der Justiz, Edikte des LG Feldkirch 14 S 46/26s, 14 S 53/26w, 13 S 60/26t, 14 S 44/26x, 13 Se 10/26i und 13 Se 55/26g, abgerufen am 30. September 2026 — edikte.justiz.gv.at
- Unternehmensserviceportal (BMJ), «Gläubigerinteressen im Insolvenzverfahren» — usp.gv.at
- IEF-Service GmbH, FAQ für Antragsteller — insolvenzentgelt.at
- Arbeiterkammer Vorarlberg, Insolvenzberatung — vbg.arbeiterkammer.at
- Insolvenzordnung, § 25 IO — jusline.at
Von der Redaktion Insolvenzen in Österreich
Wir werten täglich die in der Ediktsdatei der Justiz kundgemachten Firmeninsolvenzen aus, führen zu jedem Verfahren eine eigene Seite mit Gericht, Aktenzeichen und Verwalter und erklären, welche Fristen für Gläubiger und Beschäftigte laufen.
Quellen: Presseinformation des AKV EUROPA vom 30. September 2026, Insolvenzfälle des KSV1870 zu Obrist Powertrain und Obrist Technologies, die Insolvenzdatei der Justiz für die übrigen Vorarlberger Verfahren, das Unternehmensserviceportal des Bundes, die IEF-Service GmbH und die Arbeiterkammer Vorarlberg. Summen und Termine sind eigene Berechnungen auf Basis dieser Angaben. Foto: Asurnipal, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0 (Ausschnitt). Keine Rechtsberatung: Verbindlich ist allein die amtliche Insolvenzdatei. Betreiber und Kontakt im Impressum.