Steirerpack insolvent: Anmeldefrist 4. November, Quote 20 % und alle Termine am LG Leoben
Der Wellpappenhersteller aus dem Murtal will sich sanieren, aber das Steuer hat jetzt der Masseverwalter. Hier stehen die Daten aus dem Edikt, jede Frist mit ihrer Bedeutung und was Lieferanten, Kunden und Dienstnehmer bis Dezember konkret tun können.

Sanierung ja, aber ohne Eigenverwaltung
Das Unternehmen hat den Antrag selbst gestellt und will weitermachen. Entscheidend für alle Beteiligten ist, dass nicht mehr die Geschäftsführung, sondern ein vom Gericht bestellter Anwalt über das Vermögen verfügt.
LG Leoben, 17 S 23/26i: Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung.
Die Steirerpack GmbH stellt in Möderbrugg, Hauptstraße 21, Wellpappe, Faltkisten, Stanzverpackungen und Obst- und Gemüsesteigen für Industrie und Gewerbe her. Laut KSV1870 besteht das Unternehmen seit 1975; im Firmenbuch stehen als frühere Namen unter anderem Mondi Packaging Möderbrugg GmbH und Mondi Möderbrugg GmbH.
Angeboten wird den Insolvenzgläubigern ein Sanierungsplan mit der gesetzlichen Mindestquote von 20 Prozent: 9 Prozent binnen 14 Monaten und 11 Prozent binnen 24 Monaten, jeweils ab Annahme des Plans. Ob die Gläubiger zustimmen, entscheidet sich in der Sanierungsplantagsatzung am 9. Dezember 2026.
Foto oben: Möderbrugg im oberen Pölstal. Der Ort gehört seit der steirischen Gemeindestrukturreform zur Gemeinde Pölstal, deshalb führt die Ediktsdatei «Pölstal», der KSV1870 «Möderbrugg» als Adresse. Gemeint ist derselbe Standort.
Der Fahrplan des Verfahrens bis Dezember
Alle Tagsatzungen finden im Landesgericht Leoben statt, Saal G im ersten Stock. Was an welchem Tag passiert und für wen es zählt.
Wird der Plan am 9. Dezember angenommen und vom Gericht bestätigt, laufen die Zahlungsfristen ab der Annahme. Rechnerisch wären dann die ersten 9 Prozent bis spätestens 9. Februar 2028 und die restlichen 11 Prozent bis spätestens 9. Dezember 2028 fällig. Verschiebt sich die Abstimmung, verschieben sich diese Termine mit.
Scheitert der Sanierungsplan in der Tagsatzung und wird sie nicht erstreckt, ist das Verfahren nach § 167 der Insolvenzordnung als Konkursverfahren weiterzuführen. Dasselbe gilt, wenn der Masseverwalter anzeigt, dass das Vermögen nicht einmal für die laufenden Masseforderungen reicht.
Was Lieferanten und andere Gläubiger jetzt tun müssen
75 Gläubiger nennt der Antrag. Wer nicht anmeldet, bekommt keine Quote, und wer nicht zur Tagsatzung kommt, stimmt nicht mit.
| Anerkannte Forderung | 9 % binnen 14 Monaten | 11 % binnen 24 Monaten | Quote gesamt | Ausfall |
|---|---|---|---|---|
| € 1.000 | € 90 | € 110 | € 200 | € 800 |
| € 10.000 | € 900 | € 1.100 | € 2.000 | € 8.000 |
| € 50.000 | € 4.500 | € 5.500 | € 10.000 | € 40.000 |
| € 250.000 | € 22.500 | € 27.500 | € 50.000 | € 200.000 |
Eigene Beispielrechnung mit den Quoten aus dem Edikt, jeweils gerechnet ab Annahme des Sanierungsplans. Gilt nur, wenn der Plan angenommen, bestätigt und erfüllt wird.
Laufende Aufträge: Was Kunden und Vertragspartner wissen sollten
Die Produktion in Möderbrugg soll weiterlaufen. Für bestehende Verträge gelten jetzt Sonderregeln der Insolvenzordnung.
Verträge nicht vorschnell kündigen
Ausstehende Lieferung? Nachfragen
Neue Lieferungen an Steirerpack
Wer ist zuständig?
67 Dienstnehmer: Lohn, Insolvenz-Entgelt und der 7. Oktober
Die Eröffnung beendet kein Arbeitsverhältnis. Der beabsichtigte Abbau von 30 Dienstverhältnissen wurde dem AMS laut AKV bereits angezeigt; ausgesprochene Kündigungen sind öffentlich nicht bekannt.
Kostenlose Vertretung für AK- und Gewerkschaftsmitglieder.
Vermögen, Schulden und die genannten Ursachen
Die Zahlen stammen aus dem Eigenantrag und wurden von AKV und KSV1870 veröffentlicht. Wie viel die Aktiva wirklich wert sind, muss der Masseverwalter erst prüfen.
| Position | Betrag | Quelle |
|---|---|---|
| Passiva (75 Gläubiger) | € 2.954.941,22 | AKV, KSV1870 |
| Anzahlungen der Factoring-Bank, nicht in den Passiva | rund € 852.000 | AKV |
| Anlagevermögen und Bankguthaben | rund € 779.000 | AKV |
| Vorräte | rund € 1,44 Mio. | AKV |
| Aktiva gesamt | rund € 2,2 Mio. | KSV1870 |
| Dienstnehmer | 67, davon Abbau von 30 beabsichtigt | AKV, KSV1870 |
Die beiden Verbände geben die Aktiva unterschiedlich an, die Zahlen widersprechen sich aber nicht: Die rund 779.000 Euro an Anlagevermögen und Bankguthaben plus die Vorräte von rund 1,44 Millionen Euro beim AKV ergeben die rund 2,2 Millionen Euro, die der KSV1870 als Gesamtsumme nennt.
Als Ursachen führt das Unternehmen die anhaltende Krise der Wellpappenindustrie, sinkende Absatzzahlen, gestiegene Energie-, Material- und Personalkosten, einen deutlich rückläufigen Auftragseingang, technische Ausfälle in der Produktion und die Kündigung des Factoringvertrags an. Dazu kommen verschärfte Liefer- und Zahlungsbedingungen wichtiger Geschäftspartner.
Geplant ist laut Antrag eine deutliche Verkleinerung des Betriebs mit Konzentration auf Produkt- und Kundenbereiche, die sich rechnen, dazu Einsparungen im Materialeinkauf und in der Produktion. Parallel laufen Gespräche mit Finanzierungspartnern. Ob die Sanierung gelingt, hängt nach Angaben der Schuldnerin davon ab, dass sie sich mit den wichtigsten Geschäftspartnern und den Banken einigt.
Weitere Sanierungsverfahren in der Steiermark
Steirerpack ist nicht der einzige steirische Betrieb, der sich derzeit über einen Sanierungsplan retten will. Die Verfahren der letzten Wochen, jeweils mit eigener Seite samt Gericht, Aktenzeichen und Verwalter.
Am selben Gericht läuft seit 31. August das Sanierungsverfahren der Schaffer Sägewerk-Holzexport GmbH aus Weißkirchen, ebenfalls im Bezirk Murtal (LG Leoben, 18 S 53/26h). In Graz wurden im September unter anderem die Sanierungsverfahren der Christof Industries Austria GmbH und der Tripus Haustechnik GmbH eröffnet.
Alle Fälle des Bundeslands, laufend aus der Ediktsdatei aktualisiert, stehen in der Übersicht Insolvenzen in der Steiermark; die neuesten Eröffnungen in ganz Österreich unter Neue Insolvenzen und für den laufenden Monat unter Insolvenzen im September 2026.
Woher diese Angaben stammen
Verfahrensdaten, Termine und Quote kommen aus dem amtlichen Edikt; Vermögensstatus und Ursachen aus dem Antrag, wie ihn die Gläubigerschutzverbände wiedergeben; die Rechtslage aus Justizministerium, IEF und Arbeiterkammer.
- Insolvenzdatei der Justiz, Edikt LG Leoben 17 S 23/26i, Steirerpack GmbH, Beschluss vom 21. September 2026 — edikte.justiz.gv.at
- AKV EUROPA, Presseinformation «Steirerpack GmbH», 21. September 2026 — akv.at
- KSV1870, Insolvenzfall Steirerpack GmbH, letztes Update 22. September 2026 — ksv.at
- Unternehmensserviceportal (BMJ), «Gläubigerinteressen im Insolvenzverfahren» und «Ablauf eines Insolvenzverfahrens» — usp.gv.at
- IEF-Service GmbH, FAQ für Antragsteller — insolvenzentgelt.at
- Arbeiterkammer Steiermark, «Auflösung Arbeitsverhältnis» und «Arbeitgeber:in pleite? Wo Sie Hilfe finden» — stmk.arbeiterkammer.at
- Insolvenzordnung, §§ 25, 147 und 167 IO — jusline.at
Von der Redaktion Insolvenzen in Österreich
Wir werten täglich die in der Ediktsdatei der Justiz kundgemachten Firmeninsolvenzen aus, führen zu jedem Verfahren eine eigene Seite mit Gericht, Aktenzeichen und Verwalter und erklären, welche Fristen für Gläubiger und Beschäftigte laufen.
Quellen: Edikt LG Leoben 17 S 23/26i in der Insolvenzdatei (Beschluss vom 21. September 2026), Presseinformationen der Gläubigerschutzverbände AKV EUROPA und KSV1870, das Unternehmensserviceportal des Bundes, die IEF-Service GmbH und die Arbeiterkammer Steiermark. Die Beträge der Quote je Forderung und die Zahlungstermine sind eigene Berechnungen auf Basis des Edikts. Foto: David Bauer, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt). Keine Rechtsberatung: Verbindlich ist allein die amtliche Insolvenzdatei. Betreiber und Kontakt im Impressum.