Insolvenzen › Aktuell
Steiermark · Sanierungsverfahren

Steirerpack insolvent: Anmeldefrist 4. November, Quote 20 % und alle Termine am LG Leoben

Der Wellpappenhersteller aus dem Murtal will sich sanieren, aber das Steuer hat jetzt der Masseverwalter. Hier stehen die Daten aus dem Edikt, jede Frist mit ihrer Bedeutung und was Lieferanten, Kunden und Dienstnehmer bis Dezember konkret tun können.

Blick auf Möderbrugg in der Gemeinde Pölstal im Murtal mit Ortskern, Wiesen und bewaldeten Bergen
Das Wichtigste

Sanierung ja, aber ohne Eigenverwaltung

Das Unternehmen hat den Antrag selbst gestellt und will weitermachen. Entscheidend für alle Beteiligten ist, dass nicht mehr die Geschäftsführung, sondern ein vom Gericht bestellter Anwalt über das Vermögen verfügt.

LG Leoben, 17 S 23/26i: Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung.

Das Landesgericht Leoben hat am 21. September 2026 auf Eigenantrag der Steirerpack GmbH (FN 79280p) ein Sanierungsverfahren eröffnet. Das Edikt hält fest: «Keine Eigenverwaltung des Schuldners.» Masseverwalter ist Rechtsanwalt Dr. Helmut Fetz, Hauptplatz 11, 8700 Leoben. Forderungen sind bis 4. November 2026 beim Gericht anzumelden.

Die Steirerpack GmbH stellt in Möderbrugg, Hauptstraße 21, Wellpappe, Faltkisten, Stanzverpackungen und Obst- und Gemüsesteigen für Industrie und Gewerbe her. Laut KSV1870 besteht das Unternehmen seit 1975; im Firmenbuch stehen als frühere Namen unter anderem Mondi Packaging Möderbrugg GmbH und Mondi Möderbrugg GmbH.

Angeboten wird den Insolvenzgläubigern ein Sanierungsplan mit der gesetzlichen Mindestquote von 20 Prozent: 9 Prozent binnen 14 Monaten und 11 Prozent binnen 24 Monaten, jeweils ab Annahme des Plans. Ob die Gläubiger zustimmen, entscheidet sich in der Sanierungsplantagsatzung am 9. Dezember 2026.

Gericht
Landesgericht Leoben, Saal G, 1. Stock
Aktenzeichen
17 S 23/26i
Verfahrensart
Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung, Hauptverfahren nach EuInsVO
Schuldnerin
Steirerpack GmbH, Hauptstraße 21, 8763 Pölstal
Masseverwalter
Dr. Helmut Fetz, Leoben, Tel. 03842/42 7 51
Vertreten durch
Gloyer Dürnberger Mayerhofer Rechtsanwälte GmbH, Linz

Foto oben: Möderbrugg im oberen Pölstal. Der Ort gehört seit der steirischen Gemeindestrukturreform zur Gemeinde Pölstal, deshalb führt die Ediktsdatei «Pölstal», der KSV1870 «Möderbrugg» als Adresse. Gemeint ist derselbe Standort.

Termine

Der Fahrplan des Verfahrens bis Dezember

Alle Tagsatzungen finden im Landesgericht Leoben statt, Saal G im ersten Stock. Was an welchem Tag passiert und für wen es zählt.

Mo., 21. September 2026
Eröffnungsbeschluss und Bekanntmachung in der Insolvenzdatei.
Di., 22. September 2026
Beginn der Wirkungen der Eröffnung laut Edikt. Ab hier gelten Prozess- und Exekutionssperre; was ab jetzt geliefert oder gearbeitet wird, ist Masseforderung.
Mi., 7. Oktober 2026, 12.15 Uhr
Erste Gläubigerversammlung und Berichtstagsatzung. Der Masseverwalter berichtet, ob die Fortführung im Interesse der Gläubiger liegt. Für Beschäftigte ist dieser Termin arbeitsrechtlich wichtig (siehe unten).
Mi., 4. November 2026
Ende der Anmeldefrist für Insolvenzforderungen.
Mi., 18. November 2026, 11.15 Uhr
Allgemeine Prüfungstagsatzung: Der Masseverwalter erklärt, welche angemeldeten Forderungen er anerkennt und welche er bestreitet.
Mi., 25. November 2026
Rechnerisch der letzte Tag für eine verspätete, kostenpflichtige Anmeldung: Nachträgliche Anmeldungen sind laut Justizministerium bis längstens 14 Tage vor der Schlussrechnungstagsatzung möglich.
Mi., 9. Dezember 2026, 12.00 Uhr
Nachträgliche Prüfungs-, Schlussrechnungs- und Sanierungsplantagsatzung: Abstimmung über die 20-Prozent-Quote.
21. oder 22. September? Beides stimmt. Beschluss und Bekanntmachung stammen vom 21. September, deshalb nennen AKV, KSV1870 und die Medien dieses Datum. Die Ediktsdatei weist als «Beginn der Wirkungen der Eröffnung» aber den 22. September aus. Für die Frage, ob eine Lieferung oder ein Lohnanspruch vor oder nach der Eröffnung entstanden ist, kommt es auf diesen zweiten Tag an.

Wird der Plan am 9. Dezember angenommen und vom Gericht bestätigt, laufen die Zahlungsfristen ab der Annahme. Rechnerisch wären dann die ersten 9 Prozent bis spätestens 9. Februar 2028 und die restlichen 11 Prozent bis spätestens 9. Dezember 2028 fällig. Verschiebt sich die Abstimmung, verschieben sich diese Termine mit.

Scheitert der Sanierungsplan in der Tagsatzung und wird sie nicht erstreckt, ist das Verfahren nach § 167 der Insolvenzordnung als Konkursverfahren weiterzuführen. Dasselbe gilt, wenn der Masseverwalter anzeigt, dass das Vermögen nicht einmal für die laufenden Masseforderungen reicht.

Gläubiger

Was Lieferanten und andere Gläubiger jetzt tun müssen

75 Gläubiger nennt der Antrag. Wer nicht anmeldet, bekommt keine Quote, und wer nicht zur Tagsatzung kommt, stimmt nicht mit.

Schritt 1
Forderung bis 4. November anmelden
Die Anmeldung geht an das Landesgericht Leoben unter 17 S 23/26i, mit dem Formular «Anmeldung einer Forderung im Insolvenzverfahren». Auf die Fälligkeit kommt es nicht an: Mit der Eröffnung wird jede bereits entstandene Forderung fällig. Die Gläubigerschutzverbände AKV und KSV1870 nehmen Anmeldungen zu diesem Verfahren schon entgegen.
Schritt 2
Zu spät? Bis 25. November geht es noch
Nach dem 4. November ist eine Anmeldung weiter möglich, aber kostenpflichtig, und zwar bis längstens 14 Tage vor der Schlussrechnungstagsatzung am 9. Dezember.
Schritt 3
18. November: Anerkannt oder bestritten?
In der Prüfungstagsatzung erklärt der Masseverwalter, welche Forderungen er anerkennt. Nur anerkannte oder festgestellte Forderungen nehmen an der Quote teil.
Schritt 4
9. Dezember: Mitstimmen oder vertreten lassen
Für die Annahme braucht es zwei Mehrheiten der anwesenden stimmberechtigten Gläubiger: nach Köpfen und nach mehr als der Hälfte der Forderungssumme (§ 147 IO). Wer weder selbst kommt noch sich durch einen Verband oder Anwalt vertreten lässt, zählt nicht mit.
Anerkannte Forderung9 % binnen 14 Monaten11 % binnen 24 MonatenQuote gesamtAusfall
€ 1.000€ 90€ 110€ 200€ 800
€ 10.000€ 900€ 1.100€ 2.000€ 8.000
€ 50.000€ 4.500€ 5.500€ 10.000€ 40.000
€ 250.000€ 22.500€ 27.500€ 50.000€ 200.000

Eigene Beispielrechnung mit den Quoten aus dem Edikt, jeweils gerechnet ab Annahme des Sanierungsplans. Gilt nur, wenn der Plan angenommen, bestätigt und erfüllt wird.

Zu den im Antrag genannten Passiva von 2.954.941,22 Euro kommen laut AKV rund 852.000 Euro, die eine Factoring-Bank bereits als Anzahlungen geleistet hat. Diese Rückzahlungsforderung ist in der Summe nicht enthalten. Die Kündigung des Factoringvertrags durch das finanzierende Institut nennt das Unternehmen selbst als einen der Auslöser der Insolvenz.
Geschäftspartner

Laufende Aufträge: Was Kunden und Vertragspartner wissen sollten

Die Produktion in Möderbrugg soll weiterlaufen. Für bestehende Verträge gelten jetzt Sonderregeln der Insolvenzordnung.

Verträge nicht vorschnell kündigen

Sechs Monate ab Eröffnung dürfen Vertragspartner Verträge nur aus wichtigen Gründen auflösen, wenn das die Fortführung gefährden könnte. Die schlechte wirtschaftliche Lage oder ein Zahlungsverzug aus der Zeit vor der Eröffnung zählen ausdrücklich nicht als wichtiger Grund.

Ausstehende Lieferung? Nachfragen

Ist Steirerpack mit einer Leistung im Verzug, die nicht in Geld besteht, muss der Masseverwalter auf Anfrage binnen fünf Arbeitstagen erklären, ob er am Vertrag festhält. Schweigt er, gilt das als Rücktritt.

Neue Lieferungen an Steirerpack

Was nach der Eröffnung bestellt und geliefert wird, ist Masseforderung: Sie muss nicht angemeldet werden und wird vor den Insolvenzforderungen bezahlt. Ansprechpartner ist ab sofort der Masseverwalter, nicht mehr die Geschäftsführung.

Wer ist zuständig?

Masseverwalter Dr. Helmut Fetz, Hauptplatz 11, 8700 Leoben, Tel. 03842/42 7 51. Die Kontaktdaten stehen auch im Edikt und auf der Verfahrensseite.
Beschäftigte

67 Dienstnehmer: Lohn, Insolvenz-Entgelt und der 7. Oktober

Die Eröffnung beendet kein Arbeitsverhältnis. Der beabsichtigte Abbau von 30 Dienstverhältnissen wurde dem AMS laut AKV bereits angezeigt; ausgesprochene Kündigungen sind öffentlich nicht bekannt.

Schritt 1
Weiterarbeiten, der Lohn ab 22. September ist Masseforderung
Das Arbeitsverhältnis bleibt aufrecht, die Arbeitgeberrechte übt jetzt der Masseverwalter aus. Entgelt für die Zeit nach der Eröffnung wird vorrangig aus der Masse bezahlt.
Schritt 2
Offene Ansprüche von vorher: Insolvenz-Entgelt beantragen
Löhne, Sonderzahlungen oder Überstunden aus der Zeit vor der Eröffnung sind bei Gericht anzumelden und beim Insolvenz-Entgelt-Fonds (IEF-Service GmbH) zu beantragen, grundsätzlich binnen sechs Monaten ab Eröffnung, also bis in den März 2027. Die Forderungsanmeldung ist dem Antrag beizulegen.
Schritt 3
Nicht auf eigene Faust austreten
Ein vorzeitiger Austritt wegen Löhnen, die schon vor der Eröffnung fällig waren, ist gegenüber dem Masseverwalter laut Arbeiterkammer rechtsunwirksam und kann im schlimmsten Fall als Arbeitsverweigerung gelten. Vorher beraten lassen.
Schritt 4
7. Oktober: Berichtstagsatzung abwarten
Beschließt das Gericht dort nicht die Fortführung, können Beschäftigte binnen eines Monats vorzeitig austreten und der Masseverwalter mit gesetzlicher oder kollektivvertraglicher Frist kündigen (§ 25 IO). Bleibt nach diesem Termin laufendes Entgelt aus, ist ein Austritt laut Arbeiterkammer sogar geboten, um den Anspruch auf Insolvenz-Entgelt zu wahren.

Kostenlose Vertretung für AK- und Gewerkschaftsmitglieder.

Der Insolvenzschutzverband für ArbeitnehmerInnen (ISA) berechnet die offenen Ansprüche, meldet sie bei Gericht an und stellt den Antrag beim IEF. Für das Murtal zuständig ist das ISA-Büro Leoben der AK Steiermark, Buchmüllerplatz 2, 8700 Leoben, Tel. 05 7799-3951, [email protected]. Die AK Steiermark bietet ihren Mitgliedern außerdem ein Soforthilfe-Darlehen, das das Insolvenz-Entgelt vorfinanziert.
Zahlen

Vermögen, Schulden und die genannten Ursachen

Die Zahlen stammen aus dem Eigenantrag und wurden von AKV und KSV1870 veröffentlicht. Wie viel die Aktiva wirklich wert sind, muss der Masseverwalter erst prüfen.

PositionBetragQuelle
Passiva (75 Gläubiger)€ 2.954.941,22AKV, KSV1870
Anzahlungen der Factoring-Bank, nicht in den Passivarund € 852.000AKV
Anlagevermögen und Bankguthabenrund € 779.000AKV
Vorräterund € 1,44 Mio.AKV
Aktiva gesamtrund € 2,2 Mio.KSV1870
Dienstnehmer67, davon Abbau von 30 beabsichtigtAKV, KSV1870

Die beiden Verbände geben die Aktiva unterschiedlich an, die Zahlen widersprechen sich aber nicht: Die rund 779.000 Euro an Anlagevermögen und Bankguthaben plus die Vorräte von rund 1,44 Millionen Euro beim AKV ergeben die rund 2,2 Millionen Euro, die der KSV1870 als Gesamtsumme nennt.

Als Ursachen führt das Unternehmen die anhaltende Krise der Wellpappenindustrie, sinkende Absatzzahlen, gestiegene Energie-, Material- und Personalkosten, einen deutlich rückläufigen Auftragseingang, technische Ausfälle in der Produktion und die Kündigung des Factoringvertrags an. Dazu kommen verschärfte Liefer- und Zahlungsbedingungen wichtiger Geschäftspartner.

Geplant ist laut Antrag eine deutliche Verkleinerung des Betriebs mit Konzentration auf Produkt- und Kundenbereiche, die sich rechnen, dazu Einsparungen im Materialeinkauf und in der Produktion. Parallel laufen Gespräche mit Finanzierungspartnern. Ob die Sanierung gelingt, hängt nach Angaben der Schuldnerin davon ab, dass sie sich mit den wichtigsten Geschäftspartnern und den Banken einigt.

Steiermark

Weitere Sanierungsverfahren in der Steiermark

Steirerpack ist nicht der einzige steirische Betrieb, der sich derzeit über einen Sanierungsplan retten will. Die Verfahren der letzten Wochen, jeweils mit eigener Seite samt Gericht, Aktenzeichen und Verwalter.

Am selben Gericht läuft seit 31. August das Sanierungsverfahren der Schaffer Sägewerk-Holzexport GmbH aus Weißkirchen, ebenfalls im Bezirk Murtal (LG Leoben, 18 S 53/26h). In Graz wurden im September unter anderem die Sanierungsverfahren der Christof Industries Austria GmbH und der Tripus Haustechnik GmbH eröffnet.

Alle Fälle des Bundeslands, laufend aus der Ediktsdatei aktualisiert, stehen in der Übersicht Insolvenzen in der Steiermark; die neuesten Eröffnungen in ganz Österreich unter Neue Insolvenzen und für den laufenden Monat unter Insolvenzen im September 2026.

Quellen

Woher diese Angaben stammen

Verfahrensdaten, Termine und Quote kommen aus dem amtlichen Edikt; Vermögensstatus und Ursachen aus dem Antrag, wie ihn die Gläubigerschutzverbände wiedergeben; die Rechtslage aus Justizministerium, IEF und Arbeiterkammer.

  1. Insolvenzdatei der Justiz, Edikt LG Leoben 17 S 23/26i, Steirerpack GmbH, Beschluss vom 21. September 2026 — edikte.justiz.gv.at
  2. AKV EUROPA, Presseinformation «Steirerpack GmbH», 21. September 2026 — akv.at
  3. KSV1870, Insolvenzfall Steirerpack GmbH, letztes Update 22. September 2026 — ksv.at
  4. Unternehmensserviceportal (BMJ), «Gläubigerinteressen im Insolvenzverfahren» und «Ablauf eines Insolvenzverfahrens» — usp.gv.at
  5. IEF-Service GmbH, FAQ für Antragsteller — insolvenzentgelt.at
  6. Arbeiterkammer Steiermark, «Auflösung Arbeitsverhältnis» und «Arbeitgeber:in pleite? Wo Sie Hilfe finden» — stmk.arbeiterkammer.at
  7. Insolvenzordnung, §§ 25, 147 und 167 IO — jusline.at
Veröffentlicht am

Von der Redaktion Insolvenzen in Österreich

Wir werten täglich die in der Ediktsdatei der Justiz kundgemachten Firmeninsolvenzen aus, führen zu jedem Verfahren eine eigene Seite mit Gericht, Aktenzeichen und Verwalter und erklären, welche Fristen für Gläubiger und Beschäftigte laufen.

Quellen: Edikt LG Leoben 17 S 23/26i in der Insolvenzdatei (Beschluss vom 21. September 2026), Presseinformationen der Gläubigerschutzverbände AKV EUROPA und KSV1870, das Unternehmensserviceportal des Bundes, die IEF-Service GmbH und die Arbeiterkammer Steiermark. Die Beträge der Quote je Forderung und die Zahlungstermine sind eigene Berechnungen auf Basis des Edikts. Foto: David Bauer, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0 (Ausschnitt). Keine Rechtsberatung: Verbindlich ist allein die amtliche Insolvenzdatei. Betreiber und Kontakt im Impressum.